Was bedeuten die Zahlen 1,902,160,540 und 2,614,972,128 und 3.14159? Die erste Zahl ist die Brunsche Konstante, die zweite enthält eine Meissel-Mertens-Konstante und die dritte ist Pi, sagen Sie mit einem Gähnen und ohne Wikipedia-Hilfe.
Gratulation, Sie sollten sich bei Google bewerben. Wie wir nun nachlesen durften, waren das die Summen, die Google bei der Versteigerung für die 6.000 Nortel-Patente geboten hat.
Während unsereins auf Ebay gerade mal die Phantasie für ein Gebot mit 5,01 oder 12,21 Euro aufbringt, foppt Google bei einer der wichtigsten Patent-Auktionen der letzten Jahre die Mitbieter mit nerdigen Zahlenspielereien. “Die waren entweder höchst zuversichtlich oder nur gelangweilt”, vermutet einer der Teilnehmer an der Auktion.
Google bietet 4 Mrd. – und verliert
Nun, gelangweilt war Google eher nicht. Dem Vernehmen nach warf das Unternehmen erst bei 4 Milliarden Dollar das Handtuch. Der Zuschlag ging um 4,5 Mrd. Dollar an ein Konsortium aus Apple und fünf anderen Mitbietern. (Auf 4,5 Mrd. Jahre wird übrigens das Alter der Erde geschätzt, nur so nebenbei).
Google war also gewillt, bis zu 4 Mrd. Dollar für die 6.000 Patente zu bezahlen. Selbst für die Gelddruckerei Google eine so hohe Summe, dass man das nicht als gelangweiltes Statement abtun kann.
Denn die Patente haben neben ihrem technischen (LTE-Technologie, drahtlose Kommunikation, Datenaustausch über Internet) vor allem auch einen strategischen Wert.
Strategische Entscheidung
Sie sind ein massives Schutzschild, sollte ein Mitbewerber auf die Idee einer Patentklage kommen. Und die Patentsammlung kann umgekehrt als Keule gegen unliebsame Konkurrenz eingesetzt werden. Oder sie dient einfach als willkommene zusätzliche Einnahmequelle, wie es Microsoft mit seinen Lizenzvereinbarungen mit Herstellern von Android-Handsets vorexerziert.
Unter 6.000 Patenten findet sich immer ein gutes Dutzend, das man in den derzeit heißesten Bereichen der Technologie – Smartphones, LTE, mobiles Internet – als Waffe gegen den Konkurrenten einsetzen kann. Google weiß das ebenso, wie die Auktions-Gewinner Apple und Microsoft (neben RIM, Sony, Ericsson und EMC). Für Google, als Entwickler von Android, wären die Nortel-Patente das Schutzschild gegen Apple und Microsoft gewesen.
Googles Position geschwächt
Apple hätte es sich wohl zweimal überlegt, gegen den Handset-Hersteller HTC mit Patent-Klagen vorzugehen, wenn Google einen seiner wichtigsten Android-Partner mit einer so riesigen Patentsammlung verteidigen könnte. HTC und andere Hersteller von Android-Handys würden auch nicht so schnell in Lizenzzahlungen an Microsoft einwilligen, hätten sie selbst mehr Mobilfunk-Patente zur Abwehr in der Hand.
Nachdem Google die Bieterschlacht nun verloren hat, bleibt in Mountain View noch eine Hoffnung: Die Kartell-Behörden in den USA und Kanada lehnen den Verkauf der Nortel-Patente an Apple, Microsoft und Co. ab – oder bewilligen ihn nur unter Auflagen.
Eine Ablehnung ist eher unwahrscheinlich, weil Apple und die anderen Mitbieter bereits im Vorfeld der Auktion einer Prüfung unterzogen wurden und gewissermaßen eine “Bieterlizenz” bekommen haben. Ob und welche Auflagen es geben könnte, werden die nächsten Wochen zeigen.